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Analyse Februar 2017

China bestätigt globale Ambitionen

 

Mit nahezu eineinhalb Milliarden Einwohnern weitet China seine Präsenz in der globalen Wirtschaft stetig weiter aus. Besonders deutlich werden die internationalen Ambitionen des Landes beim Ausbau der Direktinvestitionen im Ausland, wo Europa und die Schweiz zu den beliebtesten Zielen gehören. Dieses massive internationale Engagement kann je nach Blickwinkel sowohl als Bedrohung als auch als positives Signal gesehen werden.

In den vergangenen Jahren wurden über 5000 Transaktionen im Umfang von durchschnittlich USD 1,5 Mrd. getätigt. Mit diesen massiven Auslandsinvestitionen ist China dabei, zu einem Nettoexporteur von Kapital zu werden. So investierten chinesische Unternehmen 2016 insgesamt nicht weniger als USD 234 Mrd. in Form von Akquisitionen oder Übernahmebeteiligungen im Ausland. Eine Rekordsumme, die zehnmal über dem 2007 verzeichneten Betrag liegt (Abb. 1).

Für diesen Kaufrausch gibt es mehrere Gründe: Die öffentlichen und privaten Akteure Chinas sehen sich mit einer Abschwächung der Exporte und der Wirtschaftstätigkeit im Inland konfrontiert. Um diesen Rückgang zu kompensieren, erhöhen sie ihre internationalen Akquisitionen, um neue Produktionskapazitäten zu gewinnen, sich so eine neue Ausrichtung zu geben oder sich einen Konkurrenzvorteil zu verschaffen. Es geht auch darum, angesichts des schwächelnden Yuan die finanziellen Risiken zu diversifizieren.

Eine globale Präsenz

Indem sie das Savoir-faire der ausländischen Marken erwerben, gewinnen die chinesischen Unternehmen rasch an Ansehen, wobei der kostspielige und zeitraubende Prozess, eine internationale Marke aufzubauen, entfällt. Auf diese Weise sind sie auch fähig, eine starke Marktposition in Sektoren mit hohen Eintrittsbarrieren zu erreichen, wie im deutschen Werkzeugmaschinensektor, wo zahlreiche Akquisitionen getätigt wurden.

Die chinesische Regierung strebt eine globale Präsenz für ihr Land an. Vor 2013 wurden die Übernahmen von halbstaatlichen Konsortien wie ChemChina, Cnooc der CNNC getätigt, die multinationale Unternehmen in Sektoren wie Rohstoffe, Energie oder Nahrungsmittel aufgekauft haben. In der Zwischenzeit ist die Strategie ausgefeilt worden. Mit dem Aufschwung der Mittelschicht beabsichtigt China, seine Wirtschaft auf den Konsum zu fokussieren. Im Weiteren werden Investitionen in Bereichen wie der Spitzentechnologie, der Automobil- und Immobilienindustrie sowie in Vertriebsnetzen und im Freizeitbereich getätigt.

Europa im Fokus

Ziel der chinesischen Investitionen war vielfach der amerikanische Markt. Da die USA protektionistische Massnahmen ergriffen haben, wenden sich die Chinesen nun aber vermehrt Europa zu, das zu einer Lieblingsdestination Chinas für Akquisitionen geworden ist (Abb. 2). So flossen 2015 ganze USD 20 Mrd. in die verschiedensten Projekte: In Immobilien, vor allem Hotels (Louvre Hotels Groups) und Geschäftsräume, in die Versicherungswirtschaft (SNS Reaal Insurance), die Banken (Espirito Santo), den Tourismus (Club Med) und in Fussballclubs (AC Milan). Die Investoren konzentrierten sich auf Unternehmen des Automobilsektors, die in finanziellen Schwierigkeiten steckten, wie Volvo oder Pirelli, oder auf Gesellschaften mit einem Savoir-faire wie den deutschen Werkzeugmaschinenhersteller KraussMaffei.

Auch Schweizer Unternehmen wurden von den chinesischen Investoren umworben. Das im Februar 2016 von ChemChina, Chinas grösstem Chemiekonzern unterbreitete Übernahmeangebot für den Schweizer Saatguthersteller Syngenta im Umfang von USD 43 Mrd. ist die grösste

Transaktion dieser Art eines chinesischen Unternehmens im Ausland. Für Peking sind Akquisitionen in der Nahrungsmittelindustrie als Mittel zur Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung von strategischer Bedeutung. Aber auch in anderen Bereichen wie in der Uhrenindustrie mit Eterna und Corum, in der Hotellerie mit dem Palace Luzern und in der Gastronomie mit Gate Group Gourmet sind Schweizer Unternehmen übernommen worden.

Integration in die Weltwirtschaft

Diese massiven Investitionen der Chinesen sorgen für Beunruhigung. Manche befürchten, dass die chinesischen Unternehmen durch die Aneignung der Schlüsseltechnologien und des Know-hows letztlich die Industriebasis ihrer Konkurrenten zerstören. Manche Regierungen beugen dieser Gefahr vor, indem sie Akquisitionen blockieren, welche die Sicherheit ihres Landes beeinträchtigen könnten. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet kann aber auch argumentiert werden, dass die meisten Unternehmen, die in chinesische Hände übergegangen sind, nicht restrukturiert wurden und keine Arbeitsplätze verloren gingen, ganz im Gegenzusatz zu den Akquisitionen von US-Investmentfonds, die zum Zweck eines Wiederverkaufs übernommen wurden. Vor allem kann aus diesen Offensiven das positive Signal herausgelesen werden, dass China bemüht ist, sich in die Weltwirtschaft zu integrieren.

Abb. 1 Chinesische Fusionen und Akquisitionen im Ausland (in Mrd. USD)

Banque Bonhôte

Abb. 2 Sektorielle Aufteilung der Akquisitionen in Europa 2014-2015

Banque Bonhôte